Willkommen auf meiner Homepage

Sehenswürdigkeiten in

Stattegg, St.Veit, Graz-Andritz und Umgebung


Der Kalvarienberg in Gösting

Kalvarienberg in Gösting: Kreuzkirche Der Kalvarienberg in Gösting zählt zu den bedeutendsten Sakraldenkmälern Österreichs. Erstmals erwähnt wird der "Austein", wie er damals hieß, im Jahre 1498. Es wird angenommen, dass sich auf dem Austein im Mittelalter eine kleine Fluchtburg oder Befestigungsanlage befunden hat. Als diese verfallen war, wurden im Jahre 1606, zur Zeit der Gegenreformation, mit Erlaubnis des Grundherrn Johann Ferdinand Maschwander Freiherrn von Kranichsberg vom Besitzer des Schlosses Oberthal Bernhard Walter, Oberststallmeister von Erzherzog Maximilian Ernst von Innerösterreich drei Kreuze errichtet. Diese bildeten offensichtlich einen Anziehungspunkt besonderer Art für Wallfahrer.
1619 übertrug die Witwe Maschwanders den Austein dem Grazer Jesuitenkollegium. Dieses übertrug die Pflege des Kalvarienberges der von ihm gegründeten Bürgerbruderschaft "Mariä Reinigung". Erst nach langem Hin und Her zwischen der Amtskirche und dieser Bruderschaft wurde 1653 die Erlaubnis zur Errichtung der Heilig-Grab-Kapelle und von Leidensstationen erteilt. Mit dem Bau der Kapelle kam man schnell voran, denn schon im folgenden Jahr wurde sie geweiht. Am Fest der Kreuzauffindung (3.Mai) bewegte sich eine langer Prozessionszug zum jetzt "Kalvarienberg" genannten Hügel. Tausende Menschen zogen ihrem Ziel entgegen. In den folgenden Jahren erfolgte der Ausbau zu einer der beeindruckendsten Kalvarienberganlagen der Ostalpenländer, die immer mehr Wallfahrer, Pilger und Büßer wie ein Magnet anzog. Alle Besucher im Zeitraum 1657-64 bekamen sogar von Papst Alexander VII. einen Ablaß.
1659 wurde allen Mitgliedern ein Wallfahrtsbüchlein überreicht, auf dessen Titelblatt die älteste bisher bekannte Darstellung des Kalvarienberges in seinem damaligen Zustand dargestellt ist. Von diesem Büchlein ist nur ein einziges bekanntes Exemplar erhalten, und dieses wird in der kroatischen Nationalbibliothek in Agram/Zagreb aufbewahrt.
1668 wurde die Ölbergkapelle durch Graf Johann Heinrich von Herberstein durch einen Neubau ersetzt.
Auch Prominente statteten dem Hügel einen Besuch ab. Kaiser Leopold I. begab sich 1660 zum Berg und zur Kirche im Norden von Graz, damals weit außerhalb der Stadt inmitten von Feldern, Wiesen und Auen der Mur gelegen. Kreuzwegsäulen säumen den alten Wallfahrerweg von der Mariahilferkirche über den Lendplatz, die Zeillergasse (früher Alte Kalvarienbergstrasse) und die Neue Kalvarienbergstrasse entlang. Der Kaiser dürfte auch das "Heilige Grab" besucht haben.
1764 wurde die Kreuzgruppe auf dem Berg erneuert, da ein Blitzschlag Schaden angerichtet hatte. 1694 begann der Bau der Dismaskapelle. Fürstbischof Graf Rudolf Thun legte an der Stelle einer früheren Pestkapelle den Grundstein dazu. Die aufkommende und sich immer mehr verstärkende Marienverehrung hatte zur Folge, dass sie in eine marianische Kapelle umgewandelt wurde, indem man im Jahre 1803 eine Marienstatue aus Mariatrost hierher übertrug. Das zeitgenössische Gewölbefresko zeigt wie Maria in den Himmel aufgenommen wird. Auch die Hochaltargruppe zeigt den Wechsel des Patroziniums von Dismas zu Maria.
Die "Heilige Stiege", deren Vorbild die Scala Sancta in Rom war, besteht aus 28 Stufen. Christus soll auf seinem Leidensweg 28 Stufen einer Stiege überschritten haben, als er zum Gerichtsgebäude des Pilatus ging. Seitdem müht man sich in den Tagen vor Ostern auf Knien die Stiege hinauf.
Die Stiege am Kalvarienberg wurde 1723 an die Ölbergkapelle angebaut. Sie besteht aus drei Teilen: Die beiden äußeren Teile haben 20 Stufen, der Mittelteil die überlieferten 28. Damit war im Wesentlichen abgeschlossen, was heute vor uns steht. Lediglich der Turm kam noch 1853 hinzu.
Die Fassade der Kirche zum Heiligen Kreuz vor dem Kalvarienberg stellt sich wie eine Kulisse eines "Theatrum sacrum" (heiligen Theaters) dar, auf dem Episoden der Leidensgeschichte Christi ablaufen.
An der Vorderfront zeigt sich Christus als Schmerzensmann. Er wird im Purpurmantel mit der Dornenkrone auf dem Haupt und mit einem Stock in den gefesselten Händen dargestellt. Die Sandsteinfiguren Christus, Pilatus, die Schergen und Imperatorenbüsten sind qualitativ hochwertig und wurden 1723 von Johann Jakob Schoy geschaffen. Die Pharisäer und das Volk, Holzfiguren, schuf Jakob Gschiel 1873.
Wichtig erachte ich noch, auf die Rolle der Bruderschaften und Vereine aufmerksam zu machen. Sie haben im Bereich des Kalvarienberges eine große Bedeutung erlangt und waren für lange Zeit die Träger des religiösen Lebens. Neben der Bürgerbruderschaft "Mariä Reinigung"(1620-1784), die von den Jesuiten gegründet und geleitet wurde, kümmerten sich in der Folgezeit viele weitere andere Verbindungen bis in die jüngste Vergangenheit um den Berg.
1881 beschrieb der Kaplan Fr.Pötz das Ensemble so: "Der Ausblick von dieser Stelle nach Süden hin ist ein überwältigender. Einerseits in halber Tiefe die Ölbergkirche, dahinter die Mur und darüber die ... Vorstädte, Graben und St.Leonhard. Andererseits die fast senkrechte Felswand und unten das orientalische Heilige Grabkirchlein, weiter die prächtigen Gärten, die Murvorstadt ... dann ein Häusermeer und den ernsten Schloßberg. Weiter hinaus das ... Grazerfeld mit den Hügeln und Bergen... Endlich das Sausaler Gebirg... und die Hochgebirge im Windischen..."(S.156)
Heute sehen wir das Umland zwar ein wenig anders, aber der Grünschiefer-Felsen am Fluss ist geblieben. Damals wie heute erhebt er sich majestätisch aus der Ebene und zieht Menschen an, die auf Wallfahrt oder nur auf einem kurzen Spaziergang in unserer heutigen hektischen Zeit diesen Platz der Stille aufsuchen.

In unserer Gegend gibt es einen weiteren Kalvarienberg: in St.Radegund bei Graz.



Für den Inhalt verantwortlich: Reinhard M.


Zurück zur Hauptseite