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Stattegg, St.Veit, Graz-Andritz und Umgebung


Die Burg Gösting

Burgruine Gösting: Bergfried und Kapelle. Photo: RM,©2000 Die Burg Gösting wurde Ende des 11.Jahrhunderts erbaut, um den Verkehrsweg entlang der Mur zu schützen. Der Hauptverkehrsweg führte damals entlang der Bergkette vom Plabutsch bis zum Buchkogel am Westrand des Grazer Beckens und verband Straßgang mit Wetzelsdorf, Eggenberg und Gösting. Der Name kommt von alpenslawisch "gostilna", was "Herberge/Gasthof" bedeutet.
Der alte Verkehrsweg begann unterhalb der Burg den Abstieg zur Mur, wo er mittels einer Holzbrücke den Fluß überquerte. An dieser Stelle wurde bis 1938 Maut eingehoben.
Dieser alte Verkehrsweg verläßt bei Gösting das breite Tal und zwängt sich durch diese Engstelle, die von zwei mehr als 200m hohen, steilen Berghängen gebildet wird. Die Engstelle zwischen Weinzödl (Admonter Kogel,Kanzel) und Raach (Flösserkogel) bietet wenig Platz für Eisenbahn und Straße. In früheren Zeiten behinderten außerdem Auen und Seitenarme des Mur-Flusses den Verkehr an dieser Stelle.
Burgruine Gösting. Alle Photos von RM. ©2000 Der Handelsweg setzte sich über Deutschfeistritz bis nach Bruck an der Mur fort.
Die Burg entstand an der Stelle, wo der Flußübergang und das enge Tal gesichert werden mußten. Der deutsche König Heinrich III. hat seinem Markgrafen sicher nicht ohne Grund befohlen, gerade diese Stelle zu befestigen. Denn im 11. Jahrhundert war die Steiermark geprägt von Ungarneinfällen, mehr noch, die Ungarn hatten die ganze Oststeiermark besetzt und den deutschsprachigen Siedlern entrissen. Die Grenze bildete der Höhenzug des "mons predel", wie er in den Quellen genannt wird, das ist die Hügelkette der Ries, etwa 10 km östlich von Graz. Die Pflicht des Markgrafen war der Schutz des Landes vor äußeren Feinden. Da bot sich natürlich an, zu versuchen, diese wichtige Engstelle des Murtales für die Ungarn zu sperren und durch eine Burg zu befestigen. Ob Gottfried die Burg zu bauen begonnen hat, ist quellenmäßig nicht faßbar. 1050 wurde er ermordet und hat die Vollendung der Burg nicht mehr erlebt. Haupterbe war sein Bruder Adalbero, Bischof von Würzburg. In den Wirren des Investiturstreites kam Gösting jedoch an die Herren von Eppenstein - wie, ist unbekannt. Ihre Stammburg lag bei Judenburg beim Ort Eppenstein.
Jans Enenkel, ein Chronist aus dem 13.Jahrhundert, wußte zu berichten, daß die Eppensteiner, als sie 1122 ausstarben, "alles Gebiet um Gestnike [Gösting] mit den Burgen, den Dienstmannen und den Bauern" dem Markgrafen Otokar II. von Steyr aus dem Geschlecht der Traungauer vermacht hatten.
Das genaue Jahr, wann die Burg erbaut wurde, ist nicht bekannt. 1138 bestand sie schon. Auf ihr saß damals ein Suitger von Kestenike, ein Lehensmann des steirischen Markgrafen. Er stammte aus dem Hochfreien Geschlecht der Herren von Traisen, die auch im nahen Thal den Ansitz "Waldsdorf" besaßen. 1170 kommt in einer Urkunde nochmals ein Suitger vor, diesmal allerdings als Ministeriale des Landesfürsten.
Nach Suitgers Tode gelangte Herzog Leopold VI. in den Besitz der Herrschaft Gösting. Sein 1230 angelegtes Urbar (Besitzstandsverzeichnis) erwähnt u.a. 25 Bauernhöfe, 25 Weingärten und einen Fischweiher. Im Jahre 1265 war die romanische Burg noch klein. Sie ist noch heute erhalten und bildet den östlichen Teil der Anlage.
Westlich der Burg, die sich auf 569m Höhe erhebt, befindet sich ein tief eingeschnittenes Tal, der Thal-Graben.
Östlich der Burg das Tal der Mur. Auf einer östlich der Burg vorgelagerten Felskuppe ragt ein Dolomitfelsen empor, der Jungfernsprung genannt wird. Die Sage verknüpft ihn mit dem Schicksal der unglücklichen Anna von Gösting, die sich hier aus Liebeskummer hinuntergestürzt haben soll. Forscher nehmen an, daß sich an dieser Stelle eine slawische Kultstätte befunden hat.Eine weitere östlich vorgelagerte Felskuppe trägt die Cholerakapelle, gestiftet, weil Graz und Gösting 1830 und 1832 von dieser Epidemie verschont geblieben sind.

Die Burg befand sich im 13.Jahrhundert im Besitz des Landesfürsten. Die Babenberger starben 1246 mit Herzog Friedrich II. in männlicher Linie aus. Nach dem Tod Kaiser Friedrichs des II. 1250 folgte das Interregnum, das vom Kampf König Belas IV von Ungarn gegen den Böhmenkönig Przemysl Ottokar II. geprägt war. Bela eroberte 1260 die Steiermark. Wulfing von Gösting, dessen Töchter Katharina und Anna mit den Rittern von Thal und Waldsdorf vermählt waren, starb am 7.August 1260, wie im Totenbuch des Stiftes Rein vermerkt ist. Katharina war ihrem Vater schon am 10. Jänner in den Tod vorausgegangen, von Anna, mit der die Sage verknüpft ist, findet sich aber keine Eintragung.
Ab 1260 findet man die Kärntner Hochfreien Heunburger auf der Burg. 1278 in der Schlacht von Dürnkrut-Jedenspeigen fiel Przemysl Otokar und Rudolf von Habsburg wurde neuer Herr über Österreich und Steiermark.
Für die nächste Zeit schweigen die Quellen. Aber 1312 urkunden Heinrich von Hohenlohe und seine Gemahlin Elsbeth auf Gösting.

Bergfried und  Kapelle, Photo:Möstl,©2000
In den folgenden 300 Jahren wechselten die Pfleger, Burggrafen und Verwalter rasch. 1323 Konrad der Windischgrätzer, der mitwirkt, die Besitzgrenzen zum Stift Rein abzustecken. 1354 kamen die Waldsteiner in den Besitz von Gösting. Ende des 14. Jahrhunderts waren die Windischgrätzer wieder Burggrafen (niedere adelige Pfleger) auf der Burg. In dieser Zeit wird die Anlage als "veste" bezeichnet.
Aber bereits 1409 wird sie als "haus" bezeichnet, was andeutet, daß der Ausbau schon begonnen hat und die Anlage schon besser bewohnbar gemacht wurde.
1408 ist Casper der Sawrer Pfleger auf Gösting. Im Zuge der Walseer Fehde benötigte Herzog Ernst der Eiserne von Steiermark Pfeile und Pulver aus den Munitionskammern der Burg Gösting und bestätigte diesen Sachverhalt mit einer Urkunde (Diese befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv, AUR4516).
Ein weiterer Einschnitt war das Jahr 1480. In diesem Landplagenjahr fielen Heuschrecken und Türken in die Steiermark ein. Jörg Weißenegger verteidigte damals die Burg gegen die Türken und auch gegen die ungarische Streitmacht des Königs Matthias Corvinus. Von 1480 bis 1490 hielt Weißenegger Gösting in der Hand seines kaiserlichen Herrn (Friedrich III.). Das Landplagenbild am Grazer Dom erzählt von diesen Heimsuchungen; Türken, Pest und Heuschrecken. Um 1495 wurde ein Urbar angefertigt, das uns Einblick in die Besitzverhältnisse gibt: Die Herrschaft hatte 32 untertänige Bauern und 15 Hofstätten (Keuschler oder Häusler).
Im 16.Jahrhundert hatte der Burgpfleger Adam von Trautmannsdorf große Erweiterungspläne, die aber nicht realisiert wurden. Ihm folgte 1552 Philipp Freiherr von Breuner. 1550 hatte dieser das landesfürstliche Amt Am Aigen (heute St.Veit, Andritz, Stattegg) an sich gebracht. Diese beiden Herrschaften verband er nun miteinander. Die Breuner hatten auch eine Kreidfeuerstation eingerichtet. Diese Kreidfeuer (von engl. cry) waren ein schnelles Warnsystem vor anrückenden Feinden. Dazu verwendete man auf hohen Bergrücken immer zwei Holzstöße - einen trockenen und einen feuchten. Untertags setzte man den nassen Holzstoß in Brand (um Rauch zu erzeugen), in der Finsternis den trockenen (wegen dem Feuerschein). Der Bevölkerung standen Fluchtburgen zur Verfügung. Eine solche wurde 1966 auf dem Frauenkogel entdeckt.
Von Hügel zu Hügel, von einer Burg zur nächsten wurde auf diese Weise die Nachricht feindlicher Überfälle weiterübermittelt. Im Kreidfeuersystem war Gösting wegen der Sichtverbindungen ein wichtiger Standort, die bis zum Schöckl und ins Murtal reichten.
Als die Eggenberger 1622 in den Besitz der Burg kamen, vernachlässigten sie das Gebäude.

Blick in den Innenhof und zum Fünfeckturm. Photo:R.M ©2000 1680 brach auf dem Grazer Schloßberg Feuer aus und die Munitionsvorräte konnten nur mit knapper Mühe gerettet werden. Die Grazer Regierung beschloß daraufhin, die Pulvervorräte nach Gösting auszulagern. Der Fünfeckturm der Oberen Burg Gösting (im westlichen Teil der Anlage) wurde dazu ausersehen.
Aber im 17.Jahrhundert hatten die Burgen ihre Wohnfunktion schon eingebüßt. Schon in der Renaissance war der Adel ins Tal herabgestiegen und hatte dort Schlösser erbaut, die mehr Komfort versprachen als die Wehrburgen auf hohen Felsen.
43 Jahre später sollte das Pulvermagazin den Untergang der Burg einleiten. Ein Blitz schlug in den Lagerraum des Pulvers ein. Die darauffolgende Explosion zerstörte einen großen Teil der Burg, fügte ihr irreparable Schäden zu. Nur der Bergfried und die Kapelle blieben von der Zerstörung verschont. Der große Palas (das Wohngebäude) brannte völlig aus.
In den folgenden Jahrzehnten verfiel die Burg immer mehr. 1790 verließ der letzte Bewohner die Burg. Schatzgräber im 19.Jahrhundert trugen viel dazu bei, daß aus der Burg Gösting eine Ruine wurde.

Burg Gösting um 1680. Stich von Georg Matthäus Vischer 1707 waren die Grafen Attems in den Besitz der Burg gekommen. Als der Blitz 1723 in die Burg einschlug, war Ignaz Maria Graf Attems gerade beim Meerscheinschloß (Heinrichstraße) in Graz eingeladen. Als mehrere der Anwesenden das brennende Schloß Gösting bemerkten, wollten sie ihm den Blick darauf ersparen, indem sie ihm die Aussicht verstellten. Er aber dankte den Anwesenden für die Rücksicht mit der Bemerkung, daß er vielleicht der erste gewesen sein dürfte, der den verhängnisvollen Blitzstrahl bemerkt habe.

Schloß Gösting am Fuße des Burgbergs, fertiggestellt 1728. Jedenfalls beschleunigte die Katastrophe der Hochburg Gösting den Baubeginn des Barockschlosses zu Füßen des Burgberges, das schon 1728 fertiggestellt wurde. Es beherbergt im Stiegenhaus an Wänden und Decken Freskomalereien der Barockkünstler Matthias von Görz und Franz Ignaz Flurer. Die Malereien zeigen mythologische Szenen und illusionistische Architekturen.

Kaiser Josef II. erließ Ende des 18.Jahrhunderts eine Dachsteuer. Die Folge davon waren jedoch nicht mehr Einnahmen in der Staatskasse, sondern daß die meisten Burgenbesitzer ihre Dächer abtrugen und so einen schnelleren Verfall der steirischen Burgen und Schlösser verursachten. In der Folge setzte sich der Verfall der Burg Gösting immer weiter fort.
1843/44 wurde am Fuße des Burgberges die Südbahnstrecke errichtet. Die Nordwand des mittelalterlichen Palas (des Wohngebäudes) wurde gesprengt und zum Absturz ins Tal gebracht, um die Eisenbahn nicht durch Steinschlag zu gefährden. 1874 stürzte auch ein Teil des romanischen Bergfrieds ein.
Aber schon 1881 begann Anton Rechberger, ein Schmiedemeister aus Graz, mit der Restaurierung. Aber bereits ein Jahr später mußte er sie einstellen, da der Eigentümer Karl Graf Attems gestorben war und er den Erben nicht davon überzeugen konnte, die Burg zu restaurieren..
1924 wurde Emmerich Gordon, der Leiter eines Grazer Knabenheimes, von Gästen aus Deutschland gebeten, ihnen Felsabsprünge und Ruinen zu zeigen. Gordon führte sie zur Ruine Gösting. Bald war auch die Idee zur Gründung des Burgenvereines geboren. 1925 wurde der Verein gegründet, der umfangreiche Restaurierungsarbeiten in Gang setzte. Schon 1929 war der Bergfried wiedererstanden.
In den Wirren des Zweiten Weltkrieges besetzte zu Ostern 1945 der Volkssturm die Ruine und richtete einen Beobachtungsposten ein. Vom Eigentum des Burgenvereines konnte nichts geborgen werden. Nach dem Einmarsch der russischen Truppen im Mai 1945 wurde die Ruine von den Sowjets gründlich durchsucht. Dabei fanden sie Munition und Panzerfäuste. In der Folge entstand im Aufenthaltsraum der freiwilligen Arbeiter ein Brand, dem viele wertvolle Erinnerungsstücke zum Opfer fielen. Das Steingewölbe widerstand aber der Sprengwirkung der brennenden Munition.



Sankt Georg in der Burgkapelle. Foto: RM ©2000


Für den Inhalt verantwortlich: R M.


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